{"id":244,"date":"2011-09-17T18:01:00","date_gmt":"2011-09-17T16:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/?p=244"},"modified":"2025-03-28T23:50:06","modified_gmt":"2025-03-28T22:50:06","slug":"geschichte-des-kletterns-im-gosaukamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/?p=244","title":{"rendered":"Geschichte des Kletterns im Gosaukamm"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Erstersteigung der Gro\u00dfen Bischofsm\u00fctze erfolgte durch die Ramsauer Bergf\u00fchrer Johann Schrempf (auch bekannt als Auh\u00e4usler) und Johann Steiner am 28. Juni 1879 \u00fcber die Nordschlucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bekanntesten und h\u00f6chsten Gipfel des Dachsteingebirges und des Gosaukamms waren Ende des 19. Jahrhunderts bereits erstiegen. In weiterer Folge wandte man sich den markanten Wandfluchten zu. 1903 fand zum Beispiel Gustav Jahn einen eindrucksvollen Weg durch die S\u00fcdwand der Gro\u00dfen Bischofsm\u00fctze. Auch heute noch gilt der so genannte Jahnweg als nicht zu untersch\u00e4tzende Kletterei. 1906 wurde von Alfred von Radio-Radiis der ersten Gebietsf\u00fchrer f\u00fcr das Dachsteingebirge verfasst und trieb damit die touristische Entwicklung des Gebietes weiter voran.<br><br>Im Gosaukamm war der D\u00e4umling der letzte unerstiegene Gipfel. Am 18. September 1913 standen der ber\u00fchmte Paul Preuss und G\u00fcnter von Saar als erste Menschen auf dem markanten Felsturm. Noch im gleichen Jahr sollte Paul Preuss beim Versuch einer Erstbesteigung an der Manndlkogel Nordkante t\u00f6dlich abst\u00fcrzen. In der Zwischenkriegszeit wurden zahlreiche W\u00e4nde des Gosaukamms auf sehr k\u00fchne Art und Weise erschlossen. Ein Meilenstein dieser Erschlie\u00dfungswelle ist zweifellos die von den beiden aus Bad Goisern stammenden Sepp Lichtenegger und Lois Macherhammer am 10. und 11. September 1932 erstbegangene Ostkante des D\u00e4umlings. Ein weiterer Name steht unmittelbar mit der Erstbesteigungsgeschichte der Zwischenkriegszeit im Gosaukamm in Verbindung, n\u00e4mlich Hubert Peterka. An (damals) untergeordneten Bergen schob Peterka die Grenzen des noch Kletterbaren immer weiter nach oben.<br><br>Am 3. August 1948 gelang Willi End eine Erstbegehung der Direkten Nordwand an der Gro\u00dfen Bischofsm\u00fctze. Um diese Erstbegehung ranken sich durchaus auch Mythen. M\u00f6glicherweise waren zwei Kletterer (Spitzelburger und Palaoro) schon 1947 durch die abweisende Wand geklettert. Nichts Genaues wei\u00df man nicht \u2013 wie es so sch\u00f6n im F\u00fchrer von Kurt Schall und Thomas Jekel aus dem Jahre 1996 hei\u00dft.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>1958 bringt der zuvor genannte Wiener Willi End den ersten Dachsteinf\u00fchrer in der Reihe der Alpenvereinsf\u00fchrer heraus. Zahlreiche Neuauflagen machten diesen F\u00fchrer zum Standardwerk f\u00fcr den Gosaukamm, an dessen Tatsache sich bis 1996 nichts \u00e4ndern sollte. Auch heute noch sind diese leider vergriffenen B\u00fccher ein hervorragendes Standardwerk f\u00fcr das Gebiet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freikletterwelle schwappte in den sp\u00e4ten 1960er Jahren bzw. in den fr\u00fchen 1970er Jahren von den Vereinigten Staaten ausgehend auch in die Alpen \u00fcber. F\u00fcr das Klettern bedeutete das die Abkehr vom (rein) technischen Klettern hin zum Freiklettern. Dabei d\u00fcrfen Seil und Haken lediglich zur Sicherung und nicht zur Fortbewegung verwendet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-593\" srcset=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/000a-quadratisch-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bucheinband des Fahrtenbuches auf der Stuhlalm<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es waren vor allem einheimische Kletterer, die diese neue Form des Kletterns nun auch im Gosaukamm umsetzten. Allen voran waren es Hias Schreder, Edi Lindenthaler und Albert Precht. Die ersten Touren im magischen siebten Grad wurden im Gosaukamm nur wenig sp\u00e4ter als die Pumprisse (1977) im Wilden Kaiser erschlossen. Zu den ersten Siebenertouren im Gosaukamm z\u00e4hlen die Harakiriplatte am Glatscherofenkogel (1979) und der Schinderriss am Angerstein (1982).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Das bohrhakengesicherte Sportklettern h\u00e4lt erst sehr sp\u00e4t im Gosaukamm Einzug, wenngleich die allerersten Bohrhaken schon sehr fr\u00fch (vermutlich 1980) im Gosaukamm gesetzt wurden. Diese Tatsache ist noch au\u00dfergew\u00f6hnlicher, wenn man bedenkt, dass diese Bohrhaken in der D\u00e4umling Ostkante von keinem geringerem als Klaus Hoi gesetzt wurden. Damals wurden an den Standpl\u00e4tzen sowie an den Abseilst\u00e4nden Stahlb\u00fcgel einzementiert. Diese Aktion wurde von einem Seilhersteller (auch zu Werbezwecken) finanziert. <\/p>\n\n\n\n<p>1984 begingen Michael Schierhuber und Christian Enserer eine Einstiegsvariante zum Angerstein Westpfeiler und setzten dabei 4 Bohrhaken. Die erste eigenst\u00e4ndge und mit noch immer wenigen Bohrhaken ausgestattete Sportkletterei ist die 1985 von Klaus Hausl und Norbert Reizelsdorfer von unten erstbegangene Zauberfl\u00f6te in der S\u00fcdwestwand des Angersteins. Diese Route wurde mittlerweile saniert. Die Originalbohrhaken k\u00f6nnen aber noch immer bewundert und bei Bedarf auch geklinkt werden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"762\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/153-1024x762.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-602\" srcset=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/153-1024x762.jpg 1024w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/153-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/153-768x572.jpg 768w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/153-1536x1144.jpg 1536w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/153-2048x1525.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Enserer\/Schierhuber 18. August 1984<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der Route Vampir (1986) und mit der Route Sieger sehen anders aus (1987) wurden in der selbigen Wand nur kurze Zeit sp\u00e4ter (moralische) Meilensteine des Sportkletterns er\u00f6ffnet. Volker M\u00f6llenhoff und Stefan Worlitzer richteten mit der Humpy Dumpy (1986) am Plattenbauch des Glatscherofenkogls die erste, s\u00fcdfranz\u00f6sisch gesicherte Bohrhakentour ein. Der Blick in das Tourenbuch der Stuhlalm zeugt auch heute noch von der sehr kontroversiell gef\u00fchrten Auseinandersetzung zwischen den Bohrhakenbef\u00fcrwortern und den Bohrhakengegnern.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/121-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-595\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fahrtenbuch f\u00fcr schwierige Bergfahrten, 4. September 1981, Kommentar Ernst Fladnitzer (Seite 121)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"790\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-790x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-596\" srcset=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-790x1024.jpg 790w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-768x996.jpg 768w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-1185x1536.jpg 1185w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-1580x2048.jpg 1580w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/123-scaled.jpg 1975w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fahrtenbuch f\u00fcr schwierige Bergfahrten, 6. September 1981, Antwort der &#8222;Annaberger Jungm\u00e4nner&#8220; (Seite 123)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"339\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124a-1024x339.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-597\" srcset=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124a-1024x339.jpg 1024w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124a-300x99.jpg 300w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124a-768x254.jpg 768w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124a-1536x508.jpg 1536w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124a-2048x677.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fahrtenbuch f\u00fcr schwierige Bergfahrten, 6. September 1981, Antwort der &#8222;Annaberger Jungm\u00e4nner&#8220; (Seite 124)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"390\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124b-bearbeitet-1024x390.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-598\" srcset=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124b-bearbeitet-1024x390.jpg 1024w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124b-bearbeitet-300x114.jpg 300w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124b-bearbeitet-768x293.jpg 768w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124b-bearbeitet-1536x586.jpg 1536w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/124b-bearbeitet-2048x781.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fahrtenbuch f\u00fcr schwierige Bergfahrten, Kommentar von Hias Schreder zur &#8222;Meinungsverschiedenheit Fladnitzer &#8211; Annaberger Jungm\u00e4nner&#8220; (Seite 124b)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1932\" src=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-591\" srcset=\"https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-1024x773.jpg 1024w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-768x580.jpg 768w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-1536x1159.jpg 1536w, https:\/\/www.mikeramsauer.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/187-bearbeitet-2-2048x1546.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fahrtenbuch f\u00fcr schwierige Bergfahrten, 3. September 1986 (Seite 187)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Viele Jahre und einen generellen Haltungswandel sp\u00e4ter begann Heinz Sudra systematisch Touren mit sehr guter Bohrhakenabsicherung zu er\u00f6ffnen. Mit der Route Chrysanthemes (1995) wurde ein Plaisierklassiker im Gosaukamm er\u00f6ffnet. Aus heutigem Blickwinkel ist die Absicherung der Tour aber durchaus noch weitr\u00e4umig. Kaum vorstellbar, dass zur Zeit der Erstbegehung sehr heftig dar\u00fcber diskutiert wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile finden sich Bohrhaken in vielen Routen des Gosaukamms. Erstbegehungen werden fast ausschlie\u00dflich mit Bohrhaken abgesichert. Aber auch in den klassisch alpinen Routen finden sich zumindest an den Standpl\u00e4tzen gebohrte Haken. Heinz Sudra hat mit der Sanierung der Nordwestkante auf die Vordere Kopfwand sowie der Sanierung der Westkante auf den Eisgrubenturm das nachtr\u00e4gliche Absichern von Routen salonf\u00e4hig gemacht. Mit dem 2003 initiierten Projekt Gosaukamm bildete sich in weiterer Folge eine Diskussionsplattform f\u00fcr die Sanierungsarbeiten im gesamten Gebiet, wodurch ein Bohrhakenstreit wie zum Beispiel im Tennengebirge oder am Hochk\u00f6nig weitestgehend vermieden werden konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erstersteigung der Gro\u00dfen Bischofsm\u00fctze erfolgte durch die Ramsauer Bergf\u00fchrer Johann Schrempf (auch bekannt als Auh\u00e4usler) und Johann Steiner am 28. Juni 1879 \u00fcber die Nordschlucht. Die bekanntesten und h\u00f6chsten Gipfel des Dachsteingebirges und des Gosaukamms waren Ende des 19. Jahrhunderts bereits erstiegen. 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